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Wednesday, April 3, 2013

10 Dinge, die man in Finnland nicht tun sollte

Die Webseite goscandinavia.about.com hat eine Liste mit Dingen erstellt, die man in Finnland bei Liebe zu seiner ungebrochenen Nase nicht tun sollte. ("It will be the end of the conversation, and quite possibly your undamaged nose.") Nein, so schlimm ist es natürlich nicht, aber die Tipps geben einen ganz guten Einblick in Mentalität und "Macken" der Finnen.

Hier auf Deutsch eine kleine Zusammenfassung:

1. Unterbrich niemanden!
Die Finnen lassen ihrem Gegenüber beim Gespräch Raum und Zeit zum Antworten und hören selbst aufmerksam und geduldig zu. Den Gesprächspartner zu unterbrechen gilt als sehr unhöflich!

2. Vergleiche Finnland nicht mit anderen Ländern!
... vor allem nicht mit Schweden. Die Finnen sind ein stolzes Volk und die Frage, ob Finnland wie Russland auch kommunistisch gewesen sei, könnte das Ende der besagten ungebrochenen Nase sein.

3. Gib weniger Trinkgeld!
In den meisten skandinavischen Ländern ist Trinkgeld weniger üblich und ein großzügiges Trinkgeld könnte eher Unverständnis als Dankbarkeit hervorrufen.

4. Prahle nicht!
Bescheidenheit ist eine finnische Tugend und Prahler und Angeber kommen daher in Finnland nicht weit.

5. Trage keine Kleidung in der Sauna!
Sich mit einem Handtuch zu bedecken ist okay, aber Kleider sind in der Sauna sind ein absolutes No-Go.

6. Beschränke öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung!
Zuneigung und Emotionen gehören für die Finnen nicht in die Öffentlichkeit. Seine Hände sollte man gegenüber einem Finnen eher bei sich behalten, und auch ein kräftiges, aufmunterndes Schulterklopfen könnte falsch verstanden werden.

7. Komme niemals unangekündigt!
Wenn man einen Finnen zu Hause unangekündigt besucht, könne es schon mal vorkommen, dass man vor verschlossener Tür steht. Vorher unbedingt mindestens anrufen und bei einer Verabredung pünktlich sein!

8. Zieh deine Schuhe aus!
Wenn man die Wohnung eines Finnen betritt, sollte man von sich aus sofort die Schuhe ausziehen. 

9. Mach keine Kommentare zum finnischen Hockey-Team!
... und schon gar keine negativen. Und am besten auch keine über das schwedische Team. Die Rivalität zwischen Finnland und Schweden ist wie die zwischen Geschwistern und die überlässt man am besten ihnen selbst.

10. Starre nicht auf Nordic-Walker!

Zum Schluss gibt der Artikel noch den Hinweis, dass die Finnen zwar dank dieser Liste fast schon feindselig rüberkommen könnten, aber dass man sich von dieser äußeren Erscheinung nicht täuschen lassen sollte.

Die meisten Finnen habe ich hier als sehr zuvorkommend, hilfsbereit und offen erlebt und "Verstöße" gegen die Liste oben nimmt man uns Ausländern wahrscheinlich auch nicht so übel. Dennoch ist die Liste eine gute Orientierung um nicht allzu oft ins Fettnäpfchen zu treten.

Thursday, March 28, 2013

Süddeutsche Zeitung über die finnische Sauna

Unter dem Titel "Reise-Knigge weltweit" hat die Süddeutsche Zeitung einen kurzen Beitrag zum Thema finnische Sauna veröffentlicht.

Süddeutsche Online

"Nun eine gute Nachricht aus der Welt des Reiseknigges: Es gibt keine festen Regeln, die Finnen sehen den Saunagang ganz entspannt. (...) Nur einen Fettnapf gibt es: Die Einladung zum Saunieren nicht anzunehmen."

Da ist etwas Wahres dran!


Tuesday, March 26, 2013

Seurasaari Ulkomuseo

Auf der Insel Seurasaari befindet sich ein Freilichtmuseum, wo man einige finnische Gebäude, die meisten in typischer Holzbauweise, anschauen kann.

Eisfischer auf der gefrorenen Baltischen See


Das Eisfischen ist eine beliebte finnische Freizeitbeschäftigung und erfordert einiges an Geduld und Durchhaltevermögen.
Auf die Frage hin, wie viel er denn dieses Jahr schon gefangen habe, antwortete er: "Nothing". Aber offensichtlich habe er dieses Jahr auch erst damit angefangen...
















Glockenturm




Bootshaus









Aufbau eines finnischen Holzhauses mit Birkenrinde als Regenschutz




Ecke einer finnischen Blockhütte




Finnische Telefonzelle - natürlich auch aus Holz




















Sunday, March 17, 2013

Aurora Borealis

Nordlichter in Helsinki!

Das war heute DIE Sensation schlechthin! Alle Austauschstudenten waren natürlich ganz aufgeregt, denn sowas sieht man ja auch nicht alle Tage. Und vor allem in Helsinki ist das Wetterphänomen doch ziemlich selten. Glücklicherweise wohne ich ja im 8. Stock und hatte deshalb von meinem Fenster aus einen ganz netten Ausblick. Und trotz Dunst und Lichtern konnte man das Nordlicht als deutliches grünes Band am Himmel sehen.






Thursday, February 14, 2013

Ohrfeigen

Korvapuusti - in Finnland an jeder Ecke zu bekommen

Aus der Kategorie: Kulinarisches aus Finnland

Als Erik zu Besuch war, haben wir mal ein typisch finnisches Rezept ausprobiert: Korvapuusti. Übersetzt heißt das wortwörtlich "Ohrfeige", in Deutschland käme man den Korvapuusti mit der Bezeichnung "Zimtschnecke" wohl am nächsten.

Das Rezept an sich ist ziemlich einfach: ein süßer Hefeteig, gewürzt mit Kardamom und Zimt, wird ausgerollt, wieder aufgerollt, in (ganz wichtig!) Trapeze geschnitten (keine Rechtecke! Nur so ist es typisch Finnisch, Rechtecke können ja auch alle anderen), mit dem Finger eingedrückt, mit Hagelzucker bestreut und gebacken. Ganz einfach! Aus 1kg Mehl sind dementsprechend viele Korvapuusti geworden...

Es gibt viele Rezepte im Internet und es lohnt sich, die mal zu backen!

Zimt"Schnecke"

Monday, February 11, 2013

Was Sie schon immer über Finnland wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten


Winter Wonderland


Ein paar Gedanken und Feststellungen nach circa fünf Wochen Helsinki:

- Die Schlüssel sehen anders aus und meistens dreht man sie erst einmal falsch herum, um eine Tür zu schließen oder zu öffnen

- Zebrastreifen sind für Autofahrer noch lange kein Grund zum Anhalten, und bei vereisten Straßen möchte man es als Fußgänger auch nicht darauf ankommen lassen, dass das Auto wirklich bremst

- Einen normalen Teller Pasta bekommt man selten unter 10€

- Teilweise wird das jedoch dadurch kompensiert, dass man in Finnland kein Trinkgeld gibt und man zu jedem Essen beliebig viel Wasser bekommt

- 0,4l Cider können schon mal 6,50€ kosten

- In Nachtclubs oder bei Konzerten muss man meistens zusätzlich zum Eintritt seine Jacke an der Garderobe abgeben, meistens für 2-3€

- In den Unis gibt es Recycling-Points, wo man ausrangierte eigene Dinge loswerden und sich Dinge von anderen Leuten nehmen kann

- Second-Hand-Läden gibt es auch wie Sand am Meer und in einigen gibt es sogar kostenlose Dinge zum Mitnehmen

- Professoren und Tutoren sind im Großen und Ganzen netter als in Deutschland und wirklich harsche Kritik gibt es bei den Präsentationen selten

- Die Finnen lieben Salmiak und Lakritz, sogar als Eissorte oder zerkleinert als Eis-Topping

- Eis wird übrigens auch bei -20°C gegessen

- Dem Busfahrer muss man winken, damit er anhält

- Man kann fast alles und überall bargeldlos bezahlen. Die Waschmaschinen hier im Wohnheim bezahlt man mit dem Handy

- Eishockey ist Nationalsport

- Die meisten Finnen sprechen wirklich, wirklich gut Englisch; auch ältere Menschen, was ja in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist. Liegt vielleicht auch daran, dass ausländische Filme und Serien außer für Kinder nicht übersetzt, sondern untertitelt werden.

- Die meisten Finnen haben mindestens ein Handy und scheinen insgesamt auch sehr viel Zeit damit zu verbringen

- Nokia ist hier weit verbreitet und auch sonst legen die Finnen großen Wert darauf, ihre eigenen Marken zu unterstützen

- In fast jedem Haus gibt es eine Sauna und ein Großteil der finnischen Familien besitzt eine Sommerhütte irgendwo auf dem Land (Da die Sauna in Finnland so einen hohen Stellenwert einnimmt, werde ich ihr sicherlich noch einen eigenen Post widmen. Denn kein Vorurteil ist so prominent und so wahr wie die Beziehung zwischen den Finnen zu ihrer Sauna. Und was man in Deutschland als "finnische Sauna" bezeichnet, bzw. wie man in Deutschland sauniert, darüber können die Finnen wahrscheinlich nur lachen. Deshalb besteht hier dringender Aufklärungsbedarf!)

- In Finnland duzt man sich meistens und sogar Professoren werden mit dem Vornamen angesprochen. Die Höflichkeitsform Te (dem deutschen Sie entsprechend) wird äußerst selten benutzt.

- 1- und 2-Cent-Stücke sind nicht im Umlauf und Rechnungen im Supermarkt werden auf 5-Cent-Beträge gerundet.

- Alkohol ab 4,7% gibt es nur von der staatlichen Monopolgesellschaft mit dem einfallsreichen Namen „Alko“ und alles darunter im Supermarkt auch nur zu bestimmten Uhrzeiten

- Auf den meisten Toiletten gibt es neben dem Waschbecken eine Brause, die dieselbe Funktion wie ein Bidet erfüllt

- Die Mumins, nilpferdartige Trolle, erfunden von der finnisch-schwedischen Schriftstellerin Tove Jahnsson, sind allgegenwärtig in Finnland und es gibt jeden nur erdenklichen Mumin-Merchandise.

- Finnische Marken werden extrem stark gehypt: Iittala, Arabia, Nokia, Xylitol, Salmiakki, Fazer etc. Wenn es eine finnische Variante gibt, wie bei der Schokolade Fazer oder bei Kaugummis Xylitol, wird diese meist bevorzugt. Milka und ähnliches findet man dann eher selten.

- Schokolade ist doch ziemlich teuer: Für eine normale 100g-Tafel bezahlt man locker mal 2-3€

- Im Finnischen gibt es 15 grammatikalische Fälle, aber dafür keine Artikel und kein grammatikalisches Geschlecht. Außerdem gibt es keine Zukunftsform, man sagt einfach: Ich gehe morgen, anstatt ich werde gehen.

- In Restaurants und Cafés gibt es meistens keinen Service am Tisch, sondern Selbstbedienung

- Auch wenn man Finnen auf Englisch beispielsweise "Excuse me..." anspricht, bekommt man häufig eine finnische Antwort. Ich glaube, dies geschieht nicht aus Ignoranz oder Unhöflichkeit, aber den richtigen Grund weiß ich auch nicht wirklich

- Aber abgesehen davon sind die Finnen wirklich unheimlich hilfsbereit und freundlich, und wenn man mal nicht weiter weiß, gibt es immer einen Finnen oder eine Finnin, die versucht, mit einem eine Lösung zu finden

to be continued...


Winter Wonderland pt.2


Sunday, February 10, 2013

Mein erstes Sitsit


An dieser Stelle ist es sicherlich sinnvoll, erst einmal kurz erklären, was ein Sitsit überhaupt ist. Ein Sitsit, die finnische Abkürzung für sittning, ist ein formelles Abendessen, welches nach bestimmten Regeln und mit einem festen Zeitplan durchgeführt wird. Oftmals gibt es ein vorgegebenes Thema, zu dem sich die Gäste passend kleiden sollen.

So viel zur Theorie.

In der Praxis bräuchte man allerdings ein Handbuch, um an der richtigen Stelle aufzustehen, dem Nachbar "skål" (Prost auf Schwedisch) zu wünschen oder ein bestimmtes Getränk zu trinken. Sitsits sind (vor allem in den Studiengängen der Ingenieurswissenschaften) integraler Bestandteil der Studentenkultur. Und mit zahlreichen Regeln und Traditionen sind sie so komplex, dass wir Austauschstudenten uns an unseren finnischen Nachbarn orientieren mussten, um einigermaßen mitmachen zu können.


Touristen, Piloten und Stewardessen












"Zeremonienmeister"


1. Thema

Unser Sitsit lief unter dem Thema „Sitsit in the Air“ und dementsprechend waren die Gäste als Touristen, Piloten oder Stewardessen verkleidet, wurde das Essen à la Flugzeugessen in Plastikgefäßen serviert und wurde zum Thema passend dekoriert. Vor Betreten der Location gab es einen Securitycheck und die Sitzplätze waren wie im Flugzeug beschriftet.

Boarding Pass für Magdalena Mañana
Safety Card und Kotztüte

2. Essen

Obwohl das Essen ja der eigentliche Anlass für ein Sitsit ist, steht es in der Priorität doch eher weiter hinten. Es wird gesagt, ein Sitsit sei nur dann richtig, wenn das Essen kalt ist. Was auch gar nicht so abwegig ist, denn wenn gesungen wird, oder jemand eine Rede hält, darf nicht gegessen oder getrunken werden. Und das passiert ziemlich häufig!


Vorspeise

Hauptgang
Nachtisch


3. Trinken

Wie man wahrscheinlich auch erwarten würde, wird bei jedem Sitsit so einiges getrunken. Was man beachten muss: Jedes Getränk wird mit einem Lied vorgestellt, und darf erst danach getrunken werden! Das heißt, erst nach einem Lied über Cider darf man diesen auch trinken. Ebenso mit Wasser, Bier, Wein, etc. Und für fast jedes Getränk gibt es auch ein Lied!

Wenn man etwas trinkt, muss man seinen Nachbarn „skål“ wünschen, und zwar zuerst links, dann rechts und dann gegenüber. Falls man zwischen zwei Frauen sitzt, zuerst rechts, dann links.

Wie in Flugzeug - Getränke in Plastikbechern

4. Singen

Das Singen ist neben dem Trinken die wohl wichtigste Komponente des Sitsits. Gesungen wird auf Finnisch, Schwedisch, Englisch und sogar auf Deutsch. Die meisten Finnen scheinen enthusiastische Sänger zu sein und kennen auch keine Scheu, auch mal ein Solo zu singen. Die Inhalte der Lieder sind meist tiefschwarz und bissig, oftmals geht es um das Trinken. Aber selbst eine nicht enden wollende Nacht vor einer Abgabe, zwischen Papier und Architekturmodellen, ist es wert, besungen zu werden.

Eine kleine Kostprobe (frei übersetzt): In Frankreich wird Wein getrunken, in Deutschland Bier, in Russland Vodka und in Finnland wird alles getrunken. Ein Toast auf sie!
In Norwegen werden Kirchen verbrannt, in Deutschland Bücher, und in Holland wird alles verbrannt (geraucht). Ein Toast auf sie!

Der Teil auf Deutsch ist allen ja auch so verständlich, und nicht weniger zynisch!


Trink, trink, Brüderlein, trink!



Und nach jedem Lied: „skål, skål, skål“.